Die Zukunft des Motorjournalismus: Ein Kommentar

Götterdämmerung: Der Stern der vierten Gewalt sinkt unaufhörlich!
Von Petra Grünendahl

uebrigensQualitätsjournalismus hat es schwer in Deutschland: Hobby-Fotografen, die für einen schlechten Schnappschuss mehr Geld bekommen als mancher Profi, Leser-Reporter und mittlerweile gibt es sogar Hobby-Gerichtsreporter … Schreiben kann schließlich jeder. – Wer Qualität produziert, muss auch dafür bezahlt werden. Mit einem besseren Taschengeld abspeisen geht gar nicht. Scheint aber bei jenen, die publizieren, mehr und mehr in Mode zu kommen: Inhalte kaufen? – Die krieg ich doch für lau … Können wir uns das wirklich nicht mehr leisten? Oder anders gefragt: Können wir es uns so einfach leisten, auf fundierten kritischen Journalismus zu verzichten?

Auch im Motorjournalismus gibt es fast kein Geld mehr zu verdienen. Dass Internet-Dienste, die den Nutzer neben ihren jeweiligen Geschäftsmodellen auch redaktionelle Inhalte zur Verfügung stellen, den Lieferanten dieser Inhalte nicht wirklich dafür bezahlen wollen, ist ja nicht neu. Und schon seit einigen Jahren gibt es Inhalte für lau – und ich rede hier nicht von den Presseinformationen der Unternehmen. Schon Pressemeldungen werden mangels Zeit – auch die Redaktion steht unter Kostendruck – allzu häufig 1:1 übernommen. Die Zahl derer, die redaktionelle Inhalte anbieten, ohne dafür vom Publizierenden Geld zu verlangen, steigt.

Autoportal-Redaktionsdienste liefern kostenlose Inhalte
Mittlerweile haben sich redaktionelle Dienste etabliert, die Pressemeldungen der Unternehmen umschreiben – und die sich dafür von der Industrie bezahlt lassen. Diese Handvoll Dienste haben sich auf dieses Geschäft der redaktionellen Inhalte spezialisiert und können davon ganz gut leben. Bei diesen Redaktionsdiensten sitzen schließlich Profis, die das Handwerk gelernt haben, aber natürlich ihre Geldgeber nicht mit kritischem Journalismus verprellen wollen. Die Medien, die diese redaktionellen Texte übernehmen, brauchen ihrerseits nun keinen eigenen Motorjournalisten damit beschäftigen, Presseinformationen kritisch zu hinterfragen und eigene Berichte daraus zu machen. Wenige Inhalte-Ersteller überschwemmen so den Markt mit ihren Produkten, Publikationen werden für den Leser austauschbar: Steht ja doch überall das gleiche drin!

Verbands-PR als RedaktionsmeldungAuch Verbände und Organisationen drängen mehr und mehr in den Markt der Inhalte-Ersteller (neudeutsch: Content-Provider) für die Massenmedien. Sie gründen eigene Abteilungen, um journalistisch aufbereitet ihre Inhalte und ihre Sicht der Dinge unters Publizistenvolk zu bringen. Nicht mehr der Nutzer zahlt für den Inhalt, sondern derjenige, der an der Verbreitung Interesse hat: Industrie, Verbände oder Interessengruppen. Auch hier werden Medien austauschbar, die redaktionellen Inhalte sind überall die gleichen. Kritisch hinterfragt wird gar nichts, kostet ja auch bloß Zeit. Und Zeit, die der Verleger bezahlen muss, ist ein wertvolles Gut. Das steckt man heutzutage nicht mehr so einfach in journalistische Recherche. Die Zeit und das Geld spart sich so mancher Verleger gerne! Was einer weiteren Verbreitung von verteilergesteuertem Inhalt Tür und Tor öffnet.

Hat der Motorjournalismus eine Zukunft?
Wie kritisch können solche Angebote sein? – Eine ehrliche Meinung bekommen Leser nur dann, wenn Verleger bereit sind, auch dafür zu bezahlen. Ein unverwechselbares Profil gewinnt eine Publikation nur mit eigenen Inhalten, die sich auch mal kritisch mit der Materie der Berichterstattung auseinander setzen. Wer die Musik bezahlt, kann bestimmen, was der Leser zu sehen kriegt. Wenn dies nicht mehr der Verleger ist, dann übernimmt diesen Part die Industrie, Verbände und Interessenorganisationen. Denn die sind gerne bereit, für Lobbyarbeit (und um nichts anderes handelt es sich hier) Geld zu bezahlen. Kritischer Motorjournalismus bleibt damit auf jeden Fall auf der Strecke! Ebenso wie die Meinungsvielfalt, denn eigene Motorjournalisten wollen sich die Medien und ihre Herausgeber nicht mehr leisten. Müssen sie ja auch nicht, denn für Inhalte ist ja kostenlos gesorgt. Und wenn viele fachlich hochkompetente Kollegen, die einen wertvollen Beitrag zur Meinungsbildung beitragen könnten, von ihrer Arbeit immer weniger leben können, dann macht man den Motorjournalismus kaputt!

© 2014 Petra Grünendahl

Werbeanzeigen

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
Bild | Dieser Beitrag wurde unter Übrigens!, Journalismus, Kommentar, Meinung, Motorjournalismus abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s